Digitale Methoden sind in meiner Lehre kein Softwaretraining, sondern Teil der fachlichen Aufgabe: Studierende sollen die Regeln, Abhängigkeiten und Bewertungsmaßstäbe hinter einer Lösung verstehen – und Ergebnisse digitaler Systeme kritisch prüfen können.
In my teaching, digital methods are not software training but part of the subject itself: students learn to understand the rules, dependencies and criteria behind a solution – and to critically assess what digital systems produce.
seit SoSe 2021 · Module KON1–KON3since Summer 2021 · modules KON1–KON3
Konstruktionslehre KON1–KON3
Building construction KON1–KON3
Drei aufeinander aufbauende Module verbinden Konstruktion mit einem schrittweisen Aufbau digitaler Kompetenz: von der dreidimensionalen Modellierung (KON1) über parametrische Methoden im Holzbau (KON2) bis zu Massivbau, Gebäudehülle und Anschlüssen mit Simulation und KI-gestützten Wissenszugängen (KON3).
Didaktisch arbeiten die Module mit Concept Checks, absichtlich fehlerhaften Details, die Studierende erkennen und begründet korrigieren, mit Mini-Inputs der Studierenden, Peer Review und Korrekturgesprächen an festen Meilensteinen. Das Feedback der Studierenden fließt jedes Semester in die Weiterentwicklung ein.
Three consecutive modules link building construction with a step-by-step build-up of digital skills: from 3D modelling (KON1) and parametric methods in timber construction (KON2) to solid construction, building envelopes and junctions with simulation and AI-supported access to domain knowledge (KON3).
The modules work with concept checks, deliberately flawed details that students identify and correct with reasons, short student inputs, peer review and review meetings at fixed milestones. Student feedback goes into the next iteration every semester.
WiSe 2026/27 · StegreifWinter 2026/27 · short design task
Carbon to Silicon
Ergebnis ist kein Gebäude, sondern ein Werkzeug: Die Studierenden entwickeln einen Gebäude-Konfigurator, der aus einem selbst definierten Bauteil-Vokabular nach eigenen Regeln Entwürfe für eine Baulücke erzeugt. Zuerst entsteht das Regelsystem offline – ohne Internet und ohne KI, nur mit Stift und Papier. Erst danach setzen sie es mit KI-Agenten als lauffähige Web-Anwendung um, die live Kennwerte nach DIN 277 und ein selbst gewähltes Bewertungskriterium anzeigt.
Bewertet wird nicht der von der KI geschriebene Code, sondern die architektonische Haltung und ob der Weg vom Blatt zum Werkzeug nachvollziehbar ist.
The result is not a building but a tool: students develop a building configurator that generates designs for an urban infill site from a self-defined kit of parts, following their own rules. The rule system is created offline first – no internet, no AI, only pen and paper. Only then do they implement it with AI agents as a working web application that shows key figures to DIN 277 and a self-chosen evaluation criterion live.
What is assessed is not the AI-written code but the architectural attitude, and whether the path from the sheet of paper to the tool is traceable.
seit WiSe 2024/25 · Modul DIKO, Bachelor Architektursince Winter 2024/25 · module DIKO, BA Architecture
DIKO – Digitale Konstruktionsprozesse
DIKO – Digital construction processes
Ein neues Modul im Bachelor-Curriculum, in dem Studierende mit den digitalen Werkzeugen arbeiten, die die Branche gerade verändern. In wöchentlichen Übungen erproben sie KI-Recherche mit eigener Plausibilitätsprüfung, Vibe-Coding, Bildgenerierung, eigene Wissensassistenten und Automatisierung. Kurze „Spotlights“ zu Podcasts und Vorträgen und die Frage, wie sich die eigene Haltung zu KI verändert, gehören dazu.
Im Projektteil ging es zunächst um frei gewählte Themen von Computational Design bis Robotik. Seit WiSe 2025/26 entwickeln Teams aus ein bis drei Personen in den Rollen CEO, CTO und CFO ein digitales Start-up für die Bau- und Planungsbranche: mit Problemdefinition, Marktanalyse, Geschäftsmodell und Roadmap, einem funktionierenden Prototyp, einer eigenen Website und einem Zwei-Minuten-Pitch.
Das Modul wird jedes Semester anhand des Feedbacks der Studierenden umgebaut. So liefern die Werkzeug-Sitzungen inzwischen direkt Bausteine für das Start-up, statt separate Abgaben zu erzeugen.
A new module in the Bachelor’s curriculum in which students work with the digital tools that are currently changing the industry. In weekly exercises they try out AI-based research with their own plausibility checks, vibe coding, image generation, custom knowledge assistants and automation. Short “spotlights” on podcasts and talks, and the question of how their own attitude towards AI is changing, are part of it.
The project part initially covered freely chosen topics from computational design to robotics. Since winter 2025/26, teams of one to three people in the roles of CEO, CTO and CFO develop a digital start-up for the planning and construction industry: with problem definition, market analysis, business model and roadmap, a working prototype, their own website and a two-minute pitch.
The module is reworked every semester based on student feedback. The tool sessions now feed directly into the start-up rather than producing separate assignments.
seit WiSe 2022/23 · Modul KON4since Winter 2022/23 · module KON4
Informierte Architektur
Informed architecture
Studierende bewerten Entwürfe bereits in der Frühphase mit digitalen Werkzeugen wie Autodesk Forma, CAALA und ecotool – damit Ökobilanzierung von Anfang an Teil der Entwurfsentscheidung ist. In einem Projekt prüften Studierende bereits entschiedene Architekturwettbewerbe nachträglich nach ökologischen Kriterien; bei rund der Hälfte änderte sich die Rangfolge. Die Ergebnisse wurden den Architektenkammern Hessen und Rheinland-Pfalz vorgestellt.
Students evaluate designs at an early stage with digital tools such as Autodesk Forma, CAALA and ecotool – so that life-cycle assessment is part of design decisions from the start. In one project, students re-evaluated completed architectural competitions against ecological criteria; in about half of them, the ranking changed. The results were presented to the chambers of architects of Hesse and Rhineland-Palatinate.
WiSe 2022/23 · Entwurfsmodul mit Joel JöbgenWinter 2022/23 · design module with Joel Jöbgen
Immersive Raumlehre
Immersive spatial design
Studierende entwerfen ausschließlich mit immersiven Werkzeugen wie Arkio und Gravity Sketch und erleben Architektur schon in der Entwurfsphase im Maßstab 1:1 – interaktiv, dreidimensional und gemeinsam. Nach freien Raumstudien entwerfen sie im virtuellen Raum gemeinsam weiter.
Die Aufgabe – ein sakraler Raum für Meditation oder Gebet, ohne vorgegebene Konfession, wahlweise in Kyiv, Kairo oder Mainz – setzt bewusst dort an, wo KI an ihre Grenzen stößt: Optimieren kann eine Maschine Messbares wie Fläche oder CO₂, die Wirkung eines Raums auf Menschen dagegen entsteht aus Wahrnehmung, Stimmung und Haltung.
Students design exclusively with immersive tools such as Arkio and Gravity Sketch and experience architecture at 1:1 scale during the design phase – interactively, three-dimensionally and collaboratively. After free spatial studies, they continue designing together in virtual space.
The brief – a sacred space for meditation or prayer, open to any faith, sited in Kyiv, Cairo or Mainz – deliberately targets what AI cannot do: a machine can optimise what is measurable, such as floor area or carbon, but the effect a space has on people arises from perception, atmosphere and attitude.
SoSe 2024 · Design-Build im Modul KON2, 2. SemesterSummer 2024 · design-build in module KON2, 2nd semester
Lamellenlounge
34 Studierende entwarfen und bauten gemeinsam einen Holzpavillon im Maßstab 1:1. Aus über 30 VR-Studien entstand eine offene Struktur in Doppel-C-Form, deren versetzte Lamellen Sitz-, Steh- und Aufenthaltsbereiche bilden. Die 726 Einzelteile aus überwiegend wiederverwendetem Holz wurden parametrisch modelliert und ohne klassische Montagepläne gefertigt: Mixed Reality projizierte die Positionen direkt aufs Material, 3D-gedruckte Schablonen halfen beim Setzen der Dübel. Koordination und Baustelle organisierten die Studierenden selbst. Gefördert aus dem Innovationsfonds der Hochschule Mainz, nominiert für den Competitionline Campus Award 2025.
34 students jointly designed and built a full-scale timber pavilion. More than 30 VR studies led to an open double-C structure whose staggered slats form places to sit, stand and linger. The 726 individual parts, mostly reclaimed timber, were modelled parametrically and made without conventional assembly drawings: mixed reality projected positions directly onto the material, and 3D-printed templates guided the dowels. The students organised coordination and the build themselves. Funded by the Mainz University innovation fund and nominated for the Competitionline Campus Award 2025.
SoSe 2022 · EntwurfsstudioSummer 2022 · design studio
Students in the Box – LUCY wird Realität
Students in the Box – LUCY becomes reality
Studierende entwarfen ein rund 400 m² großes, flexibel nutzbares Gebäude für den eigenen Campus – für Arbeitsplätze, Workshops und Ausstellungen. In einem wettbewerbsähnlichen Verfahren mit externen Gutachtenden wurden drei Arbeiten ausgezeichnet und anschließend zusammengeführt. Daraus entstand mit maßgeblicher studentischer Beteiligung das Gebäude LUCY: eine Holzskelettkonstruktion mit Holz-Lehm-Decken, die so erstmals in Deutschland eingesetzt wurden.
Mein Studio arbeitete dabei regelbasiert: Die Gruppe entwickelte ein gemeinsames Regelwerk – von Baufeld, GRZ und GFZ über Typologie, Erschließung und Tragwerksraster bis zur Fassade –, das jede und jeder auf das eigene Projekt anwendete. Möglichst viele Entscheidungen sollten über Bewertungssysteme wie Flächenbedarf, Materialverbrauch, Energieeintrag oder CO₂-Bilanz fallen, nachvollziehbar und jederzeit änderbar. Sogar der Bauplatz auf dem Campus war aus dem Regelwerk herzuleiten.
Students designed a flexible building of around 400 m² for their own campus – for workspaces, workshops and exhibitions. In a competition-like process with external reviewers, three designs were selected and then merged. With substantial student involvement, this became the LUCY building: a timber frame structure with timber-clay floor slabs used in this form for the first time in Germany.
My studio worked rule-based: the group developed a shared rule set – from plot, site coverage and floor area ratio through typology, circulation and structural grid to the facade – which each student applied to their own project. As many decisions as possible were to be made through evaluation systems such as floor area, material use, energy input or carbon balance, traceable and open to change at any time. Even the building site on campus had to be derived from the rule set.
WiSe 2023/24 · EntwurfsstudioWinter 2023/24 · design studio
Umwidmung – Zukunft für eine Kirche
Conversion – a future for a church
Immer mehr Kirchen stehen leer. Am Beispiel der denkmalgeschützten Kirche St. Christoph in Neu-Isenburg-Gravenbruch von 1967 – einem elliptischen Bau von knapp 30 Metern Durchmesser, dessen baufälliger Turm 2017 zurückgebaut wurde – entwickelten Studierende auf Grundlage eines 3D-Scans neue Nutzungen. Ziel war kein neues monofunktionales Gebäude, sondern ein anpassungsfähiges, multifunktionales Haus, einschließlich eines Sanierungskonzepts für das Dach.
More and more churches stand empty. Using the listed church of St. Christoph in Neu-Isenburg-Gravenbruch from 1967 – an elliptical building almost 30 metres across, whose unsafe tower was removed in 2017 – students developed new uses based on a 3D scan. The aim was not another single-use building but an adaptable, multi-use one, including a plan for refurbishing the roof.
SoSe 2025 · Entwurfsstudio mit der InnenarchitekturSummer 2025 · design studio with interior architecture
Mind the Gap – zirkuläres und interdisziplinäres Bauen
Mind the Gap – circular and interdisciplinary building
Interdisziplinäre Zweierteams aus Architektur und Innenarchitektur entwickelten zirkuläre Konzepte für zwei Baulücken in Mainz: Ein Gebäude sollte mit möglichst geringen Anpassungen von der einen Baulücke in die andere wandern können. Abgegeben wurden kurze Videos, die Konzept, Montage und Demontage zeigen.
Interdisciplinary pairs of architecture and interior architecture students developed circular concepts for two vacant plots in Mainz: a building that can move from one gap to the other with as few changes as possible. Projects were submitted as short videos showing the concept, assembly and disassembly.
SoSe 2026 · Modul INPPSummer 2026 · module INPP
ReShelter Montfort
Entwurf und integrale Planung eines temporären, autarken Shelters in der Ruine der Burg Montfort aus dem 13. Jahrhundert. Ausgehend von Punktwolke und Gebäudemodell analysieren die Teams den Standort, simulieren Sonneneinstrahlung und PV-Potenzial und bilden harte Randbedingungen parametrisch ab: Bauteilgewicht, Transport im Transporter mit Anhänger und Montage durch zwei Personen. Energie- und Wasserbilanz bestimmen das Autarkie-Konzept; über eine Live-Verbindung wandert das parametrische Modell ins BIM-Modell, einschließlich einer Analyse, wo dabei Information verloren geht.
Design and integrated planning of a temporary, self-sufficient shelter inside the ruins of 13th-century Montfort Castle. Starting from a point cloud and building model, teams analyse the site, simulate solar radiation and PV potential, and encode hard constraints parametrically: component weight, transport by van and trailer, and assembly by two people. Energy and water balances shape the self-sufficiency concept; a live connection carries the parametric model into BIM, including an analysis of where information gets lost.
WiSe 2025/26 · Modul INPP, Erasmus Blended Intensive ProgrammeWinter 2025/26 · module INPP, Erasmus Blended Intensive Programme
Re-Skinning Bauhaus
Studierende mehrerer europäischer Hochschulen entwickeln in gemischten Teams Strategien zur Transformation und energetischen Erneuerung des Bauhausgebäudes in Dessau. Kuratierte digitale Impulse geben den Takt vor; die Ergebnisse werden in kurzen Iterationen präsentiert und von einem internationalen Scientific Committee begleitet.
Students from several European universities work in mixed teams on strategies for transforming and energy-retrofitting the Bauhaus building in Dessau. Curated digital inputs set the pace; results are presented in short iterations and reviewed by an international scientific committee.
SoSe 2026 · Summer School mit der KNUCA KyivSummer 2026 · summer school with KNUCA Kyiv
Summer School Mainz–Kyiv
Jenseits des Sehens – Wege zu inklusiven Strategien für das architektonische Erbe. Eine Woche mit der Kyiv National University of Construction and Architecture, geleitet von Dr. Ihor Tvoronovych: Studierende aus Mainz und Kyiv untersuchten die Mainzer Zitadelle nicht nur zeichnerisch, sondern über Bewegung, Klang und Tastsinn.
Rund um den Drususstein entstanden erste Konzepte, den Ort für Menschen mit Sehbehinderung zugänglicher zu machen – ohne ihn baulich grundlegend zu verändern. Eine Fortsetzung ist im Gespräch.
Beyond Seeing – Towards Inclusive Strategies for Architectural Heritage. One week with Kyiv National University of Construction and Architecture, led by Dr Ihor Tvoronovych: students from Mainz and Kyiv explored Mainz Citadel not only through drawing but through movement, sound and touch.
Around the Drusus Monument, they developed first concepts for making the site more accessible to people with visual impairments – without fundamentally altering its fabric. A follow-up is under discussion.